Quincy Jones and his Orchestra

Artikel-Nr.: 2798

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LIVE in Ludwigshafen 1961

Der erste Versuch, mit einer Big Band zu arbeiten, ging schief. Quincy Jones hatte Lionel Hampton kennengelernt, saß als 15-jähriges Greenhorn schon im Tourbus des Orchesters, als ihn die Frau des Bandleaders entdeckte und wieder nach Hause schickte. Bald darauf aber durfte er gelegentlich mitarbeiten, fünf Jahre später war er Mitglied der Band und lernte allabendlich, was es bedeutet, eine gute Show zu bieten. Und er bewährte sich. Sein Jugendfreund Ray Charles hatte ihm Grundlagen des Arrangierens beigebracht, im Orchester von Dizzy Gillespie vertiefte er die Kenntnisse. Bald arbeitete Quincy Jones als Komponist, Arrangeur, auch als Trompeter für Dinah Washington, Betty Carter, Ray Charles, Billy Eckstine. Und er reiste oft nach Europa, studierte in Paris bei Nadia Boulanger, lernte in Monaco Frank Sinatra kennen, produzierte Aufnahmen mit Sarah Vaughan.


Im Jahr 1959 schließlich stellte er für das Musical „Free And Easy“ ein Orchester zusammen. Bis Februar 1960 gastierte die Show in Utrecht, Amsterdam, Brüssel und Paris. Als das Engagement zu Ende war, beschloss Jones, das Orchester weiterzuführen. Zehn Monate lang tourte er durch Europa, doch dann war langsam abzusehen, dass er das Ensemble nur mühsam zusammenhalten konnte. Mit Entourage mussten 33 Leute unterhalten werden, das Geld wurde knapp, obwohl Jones gleichzeitig mit seinen Arrangements für Ray Charles in den Hitparaden landete. Am Ende hatte sich ein Berg von 145.000 Dollar Schulden angehäuft. Jones lieh sich Geld, musste seinen Musikverlag verkaufen - den er später für beinahe das Zehnfache zurückkaufte - und so kam ihm 1961 das Angebot seines alten Freundes Irving Green gerade recht, als Produzent für Mercury Records anzufangen. Zwei Jahre später verhalf er der Sängerin Lesley Gore mit „It’s My Party“ zu ihrem ersten Nr. 1 Hit, 1964 war er der erste schwarze A&R-Vizepräsident einer Plattenfirma. Da war sein Orchester bereits lange schon Geschichte. Und hatte auch ein wenig Geschichte geschrieben: Bekannt wurde der Auftritt im Juli 1961 beim Newport Jazz Festival, zuvor war das Orchester noch einmal in Europa unterwegs.


Der Mitschnitt des Konzerts am 10. März in Zürich erschien unter dem Titel „The Great Wide World Of Quincy Jones: Live!“ bei Mercury Records und enthielt einen Ausschnitt seines Repertoires, „The Quintessence" (1961) ist quasi das Nachwort zum Projekt. Und „Live In Ludwigshafen“ lässt nun weitere Einblicke in das künstlerische Innenleben des grandios besetzten und ungemein vitalen Orchesters zu. Zum Team gehörten zahlreiche Jungkoryphäen der Zeit, Trompeter etwa wie Freddie Hubbard oder Benny Bailey, auch Saxofonisten wie Sahib Shihab. Das Programm enthielt Evergreens wie „Summertime“ und Kompositionen, die wie „Stolen Moments“ erst noch ein Klassiker werden sollten. Die Stimmung auf der Bühne war gelöst, auch weil das Orchester in Europa als wegweisende Big Band gefeiert wurde. Es gibt Kenner, die meinen, diese kurze Phase sei die beste für Quincy Jones, den Jazzmusiker, gewesen. „Live In Ludwigshafen“ kann diese Behauptung nur stützen.
Ralf Dombrowski

 

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Artikel-Nr.: 2798
Medium CD
Erscheinungstermin:15.04.2016
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