Stan Kenton Orchestra

Artikel-Nr.: 2799

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THE STUTTGART EXPERIENCE
17. Januar 1972, Beethoven-Saal der Liederhalle Stuttgart

Stan Kenton (1911-79) konnte und wollte sich nicht für eine Nische entscheiden. Seine Ensembles waren musikalische Zwitterwesen, semi-symphonische Formationen und Big Bands, Jazzcombos und Tanzorchester in einem. Das ist ein aus heutiger Perspektive moderner Ansatz, der aber die Zeitgenossen des in Wichita, Kansas, geborenen Pianisten und Komponisten irritierte. Als Kenton in den Vierzigerjahren seinen kraftvoll flächigen, weder zum Swing noch zum Bebop passenden Bläsersound entwickelte, meldete etwa der Kritiker Barry Ulanov im ‚Metronome Magazine’ Bedenken an, dass angesichts dieses Orchesters junge Menschen auf die Idee kommen könnten, „das Jazz und die Atombombe im selben natürlichen Phänomen ihren Ursprung haben könnten“.

Allen Vorbehalten zum Trotz schaffte es der umtriebige Bandleader jedoch, seine Ensembles über die Ära des Big-Band-Sterbens hinwegzuretten. Sie waren sein Instrument, an dessen Klanggestalt er mit ungewöhnlichen Besetzungen und vor allem durch mutige Arrangeure, Komponisten und eigenwillige Solisten arbeitete. Kentons langjähriges Alter Ego, der Arrangeur Pete Rugolo beispielsweise, hatte bereits in den späten Vierzigern Latin Percussion in das Orchester geholt und außerdem den akkordischen Stil der „Wall Of Brass“ verfeinert. Dieser Sound bestimmte trotz zahlreicher Experimente auch 1972 noch die Klangcharakteristik, als sich das Orchester nach mehrjähriger Pause wieder auf Tournee durch Europa begab. Im Unterschied zum vorangegangenen Jahrzehnt, als eine schwach besuchte Konzertreise 1963 oder auch ein lauwarm angenommener Auftritt bei den Berliner Jazztagen 1969 Kenton aufs Gemüt schlugen, eilte ihm diesmal der Ruf der Legende des Progressive Jazz voraus. Die Band war, nach gesundheitsbedingter Auszeit ihres Leaders im Vorjahr, in Hochform und brachte neues Material mit. Bill Holmans Latin-Ohrwurm „Malaga“ war ebenso wie dessen Arrangement von George Gershwins „Rhapsody In Blue“ frisch im Tourprogramm. Die Titelmelodie von „Love Story“ stammte aus dem gleichnamigen Kinohit von 1971, Ken Hennas Hommage an die kolumbianische Hauptstadt „Bogota“ war wiederum seit 1970 fest in den Live-Programmen des Orchesters verankert. Zentral für den Sound dieser Phase war der Schlagzeuger John van Ohlen, ein Donnertrommler aus Indianapolis, der über Woody Herman seinen Weg zu Kenton gefunden hatte. Sein Punch war wuchtig und führte die Band in eine rockige Richtung, die sie von 1973 an prägen sollte, obwohl van Ohlen zu diesem Zeitpunkt bereits eigene Projekte pflegte. Überhaupt war der Klangkörper in Bewegung.

Vergleicht man die Aufnahme aus der Stuttgarter Liederhalle mit dem Mitschnitt aus der Londoner Croydon Hall, den die Decca wenige Wochen später verwirklichte, haben nicht nur das Programm, sondern auch Sound, Haltung und Interpretation eine eigene, mitreißende Qualität. Denn am Anfang der Tournee waren Stan Kenton und sein Orchester frisch, experimentierfreudig und spürbar inspiriert. Die Bänder liefen und hielten diese Präsenz und quirlige Spielfreude für den SDR fest - eine Artistry in Jazz, die nun erstmals auf CD zu hören ist.
Ralf Dombrowski

 

Artikelinfo
Artikel-Nr.: 2799
Medium CD
Erscheinungstermin:15.04.2016
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